Sängerreise nach Coburg

Verzeihen Sie liebe Leserinnen und Leser dieses Beitrages, dass dieser Artikel in der „Ich-Form“ beginnt. Da ich aber Verfasser dieses Artikels und gleichzeitig Initiator dieser Reise bin, ist es verständlich, dass ich vorerst bei dieser Form bleiben muss.

Es war im Sommer 2002, als meine Gattin und ich unsere Nürnberger Freunde anlässlich einer Urlaubsreise aufgesucht haben. Bei der Weiterreise in Richtung Vorarlberg haben wir den Weg über die „romantische Straße“, die sich von Würzburg nach Füssen erstreckt, gewählt. Unsere erste Station war das kleine Städtchen Feuchtwangen. Bei einem Spaziergang durch die Altstadt fiel uns ein Hinweisschild „Sängermuseum“ auf. Bei der Tourismusinformation wurde uns gesagt, dass diese Stiftung das einzige Museum im deutschsprachigen Raum sei, die sich mit der Entwicklung des Chorwesens beschäftigt. Uns war sofort klar – hierher müssen wir mit dem Stammersdorfer Chor kommen.

Im März des Jahres 2004 bekam ich nun von den Nürnberger Freunden – Familie Leupold – eine CD geschickt mit dem Live-Mitschnitt eines Konzertes der Chorvereinigung „Fränkische Krone“. Beiliegend ein Briefchen: Es würde mich sehr freuen, wenn ein Treff zwischen dem MGV Stammersdorf und der Fränkischen Krone zu Stande käme. Den Chor leitet Gruppenchorleiter Walter Schwab. Auf Grund des Liedverzeichnisses der CD konnte ich feststellen, dass 80% der Stücke dem MGV bekannt sind und auch von uns gesungen werden. Beim ersten Abspielen der CD war mir klar, dass es sich um einen größeren Chor handeln musste. Die Telefonnummer des Herrn Schwab war bald herausgefunden und ich habe ihn angerufen. Ich habe ihm gesagt, wie ich zur CD gekommen bin, dass auch ich Sänger in einem Chor bin, dass wir eine Deutschlandreise planen und ob Interesse an einem Treff der beiden Chöre bestehen würde. Dann die übliche Frage wie viele Sänger der Chor hat? Nun kam die Überraschung: die Chorvereinigung „Fränkische Krone“ rekrutiert sich aus drei Männerchören und umfasst bei Aufführungen sechzig bis siebzig Männer. Nachdem alle Voraussetzungen klar waren, habe ich dieses Projekt unserem Vizechorleiter, der die meiste organisatorische Arbeit in unserem Chor erledigt, vorgelegt.

Ein verwegenes Unterfangen: 35 Stammersdorfer Sänger – 60 Deutsche Choristen! Trotz dieses gefährlichen Missverhältnisses hat der Vereinsvorstand dem weiteren Vorantreiben dieses Projektes zugestimmt. Die weiteren Schritte waren bald gesetzt, als Termin des Treffens wurde der 28. Mai 2005 fi xiert. Der Ort des Sängertreffens Coburg im Frankenland oberhalb von Bamberg. Für eine Reisegesellschaft mit 60 Leuten muss man erst ein Quartier fi nden. Für die Verköstigung muss gesorgt werden. Ein Reise- und Besichtigungsprogramm muss erstellt werden. Darum haben sich die Ehepaare Dangl und Kiener im Dezember aufgemacht, um alle Voraussetzungen für ein gutes Gelingen der Reise vor Ort zu fi xieren. Es war auch ein Abend mit Sängern der „Fränkischen Krone“ und ihrem Chorleiter Herrn Schwab eingeplant. Wir konnten uns dabei überzeugen, dass das Bier in Franken ausgezeichnet ist und dass die fränkischen Sänger zumindest den gleichen Durst hatten wie wir! Alles war unter Dach und Fach, die Reise konnte starten!

26. Mai 2005 um 6.30 Uhr hat ein neuer großer Autobus der Fa. Sramek die Fahrtteilnehmer in Stammersdorf am Bahnhofplatz abgeholt. Der Autobus, ein Dreiachser, war natürlich viel zu groß, da inzwischen die Reisegruppe nur mehr aus 46 Teilnehmern bestanden hat. Krankheit, Operation und Unfall haben unsere Truppe stark dezimiert. Leider sind durch die Ausfälle auch nur mehr 23 Sänger verfügbar gewesen. Doch diese 23 waren voll des Tatendranges. Nur der musikalische Leiter unserer Reise, unser Doktor Herfried Pock war von der kleinen Anzahl an Sängern beunruhigt. Zügig ging es der Westautobahn zu. Nach einer kleinen Rast in Linz sind wir nach Wörth an der Donau weitergefahren. Beim Mittagessen in Wörth wurde die erste Bekanntschaft mit der Bayrischen Küche und mit dem Bayrischen Bier geschlossen. Nur mehr ein kurzer Weg war es dann zur Walhalla bei Donaustaufen. Dieses Bauwerk ist auch von der Autobahn vor Regensburg gut sichtbar. Im Stile eines griechischen Tempels wurde das Gebäude 1830 unter der Regentschaft Ludwig des I von Bayern errichtet. Ein Teil der Gruppe hat sich die Mamorbüsten im Inneren angesehen und der andere Teil das Grün der Umgebung genossen. Dann ging es weiter auf der Autobahn in Richtung Nürnberg und Berlin. In Hormersdorf nahe der „fränkischen Schweiz“ haben wir Quartier bezogen. In der Anlage hat sich auch ein Gartenpavillon befunden in dem bereits ein Grillbüfett für das Abendessen vorbereitet wurde. Nach einer kräftigen Stärkung mit Spezialitäten aus der fränkischen Küche haben wir im Freien eine eingeschobene Chorprobe durchgeführt. Nach der sorgenvollen Miene unseres Herfrieds dürfte sie nicht optimal gewesen sein. (Wahrscheinlich war die Klimaanlage im Bus daran schuld . . . oder doch die Biere?)

27. Mai 2005 Die Abfahrt am Freitag war für 8.30 Uhr festgelegt. Pünktlichst waren alle erschienen und es ging in Richtung der „romantischen Straße“. Der erste Stopp war Feuchtwangen. In diesem Städtchen mit seinem mittelalterlichen Flair führte der erste Weg in das Deutsche Sängermuseum. Die Verwalterin des Hauses führte uns selbst durch die Ausstellung. Anschaulich wurde die Entwicklung des Chorwesens ab den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts gezeigt. Dieses Museum ist im deutschsprachigen Raum einmalig und wird daher auch von vielen ausländischen Chören besucht. Wir wurden auch gebeten im hauseigenen Konzertsaal einige Lieder zu singen. Die Verwalterin ersuchte auch, ob sie dabei einige Aufnahmen machen darf, da sie Material für eine Information in Japan benötigt (verehrte Leser dieses Artikels wundern Sie sich daher nicht wenn sie in Tokio ein Bild des MGV Stammersdorf hängen sehen.) Nach einem wunderbaren Mittagessen und einem Stadtbummel führte die kurze Fahrt nach Dinkelsbühl. Dieses Juwel wird auch oft mit Rothenburg verglichen. Es ist jedoch beschaulicher und ruhiger. In zwei Gruppen wurden wir von fachkundigen Führerinnen durch das mittelalterliche Städtchen geführt. Der einzige Wermutstropfen war, dass wir leider keine Zeit hatten, in einer alten Stube einen kühlen Krug leeren zu können. Doch wir wurden dafür am Abend reichlich entschädigt. Beim „Pechwirt“ im Pegnitztal erwartete uns ein fränkisches Büffet mit kalten und warmen Spezialitäten. Unsere Nürnberger Freunde, die Familie Leupold war ebenfalls anwesend und Ihnen mussten wir natürlich ein entsprechendes Ständchen bringen. Das Zwetschkenwasser nach den Bieren dürfte den Stimmen besonders gut getan haben, da alle Zuhörer immer wieder Zugaben verlangten.

Samstag der 28. war der wichtigste Tag in unserer Reise. Dieser Tag war für Coburg reserviert und an diesem Tag sollte auch das Chorkonzert mit der „Fränkischen Krone“ stattfi nden. Am Parkplatz in Coburg wurden wir von Coburger Sängern empfangen. Ein Oberstudienrat in Pension übernahm die Stadtführung. Der Weg führte uns durch das „Rosarium“ zum Johann-Strauss-Denkmal. Die Verbindung Johann Strauss und Coburg ist besonders innig, da Strauss nach seiner dritten Verheiratung Coburger Bürger wurde und dies auch bis zu seinem Tode geblieben ist. Ein Bummel durch die Altstadt brachte uns zum Restaurant „Hofbräu“ wo bereits das Mittagessen wartete. Mit dem „Elektrobähnle“ ging es aus der Stadt hinauf zur „Veste“, eine der größten Burganlagen in Deutschland. Leider konnten wir die Bauwerke nur von außen sehen, da für eine Innenbesichtigung die Zeit viel zu kurz war. Mit dem Bähnle ging es wieder zurück in die Stadt, zum alten Rathaus. Der Herr Bürgermeister wartete schon und empfi ng uns in der „Regimentsstube“. Er erzählte uns einiges aus der Geschichte Coburgs und wir revanchierten uns mit drei Liedern. Nach dem wir ihm noch einen Gruß aus Stammersdorf mit Stammersdorfer Wein übergeben hatten, konnten wir den wunderbaren Blick vom Ratsbalkon auf den Marktplatz genießen. Dann wurde es aber Ernst für uns. Wir sind zur Aufführungshalle gefahren. Der Tag war glühend heiß und so wurde entschieden, dass wir ohne unsere Uniformsakkos singen. Als wir in der Halle waren, ist unserem Herfried das Herz in die Hose gerutscht. Lange Tischreihen mit Platz für ca. 300 Leute, die bereits eine Stunde vor Beginn hereinströmten. 60 Deutsche Sänger und einige Stammersdorfer. Jedoch beim Einsingen war es klar: alles war konzentriert und bereit das Beste zu geben. Der Coburger Chor brachte ein klassisches Programm vom Kunstlied über Opernchöre bis zum Donauwalzer. Wir hatten ein buntes Programm mit Volkslied, Wienerlied, Trinklieder und vor allem Spirituals zu bieten. Bei den Spirituals zeigte es sich, dass man das Publikum auch richtig mitreißen konnte, der ganze Saal hat im Rhythmus geklatscht und der Applaus war auch dem entsprechend. Bei den gemeinsam gesungenen Stücken war die Stimmung am Höhepunkt. Spät in der Nacht sind wir erst in unser Quartier zurückgekommen. Alle waren sich einig Coburg ist eine Reise wert.

 29. Mai 2005 Nach diesen anstrengenden Tagen war für die Heimreise kein weiterer Programmpunkt geplant. Vor der Abfahrt überraschte uns noch Familie Leupold mit einer kleinen Wegzehrung (30 Liter Bier). Ein Abschiedsständchen wurde noch gesungen und dann ging es ab in Richtung Passau. Da unser Bus mit allen technischen Möglichkeiten   ausgestattet war, konnten wir auf der Heimfahrt die Videoaufzeichnungen unseres Sangesbruders Robert Nebel bewundern. Es wurde uns erst richtig klar, wie viel man in einigen Tagen erleben kann. Es gab in Passau noch eine zünftige Mittagsrast und dann den direkten Weg nach Stammersdorf. Als beim Aussteigen nochmals das „Pfüat Gott mein Herz, mein Bruderherz“ erklungen ist, war es klar dass auch diese Reise einmal zu Ende sein muss!

Mit Sängergruß Erich Kiener