Ein ungarisches Wochenende in Stammersdorf

 

Unsere Sängerreise 2002 an den Plattensee, wo wir vom Vestivalchor Balatonfüred so herzlich empfangen, betreut und umsorgt worden waren, erforderte natürlich eine Gegeneinladung. Um die nötigen Vorbereitungenzu treffen, genügte es diesmal nicht, Faxe, Ferngespräche und E-Mails auszutauschen, diesmal begab sich eine Delegation, bestehend aus Sgbr. Georg Holler mit seiner Frau Brigitte, Obmannstellvertreter Lutz Dangl mit seiner Gerda und der Obmann für eine Woche an den Plattensee. Dort trafen sie sich mit der Chorleiterin Erzsébeth Pileczky und der Vereinssekretärin Ildiko Vidók. Dabei wurden Details besprochen und das Programm in groben Zügen festgelegt. Im September folgten mehrere Telefonate und E-Mails, vor allem aber einige Arbeitssitzungen in Stammersdorf, um die Organisation und die einzelnen Aufgaben zu besprechen. Hier hat sich neben den oben genannten vor allem Sgbr. Martin Kiener mit Tatkraft und Umsicht beteiligt. Schließlich mussten die Unterbringung und Betreuung der 40 Gäste sowie die Verköstigung und Bewirtung von rund 100 Personen für zwei Tage sichergestellt werden. Wir wollten versuchen, alle Leistungen selbst, d.h. durch unseren Chor und die Familien unserer Sangesbrüder zu erbringen. Lutz, Georg und Martin haben dies in hervorragender Weise vorbereitet. Sie waren es auch, die dann während des Aufenthalts unserer ungarischen Freunde die Hauptlast der Arbeit trugen.
Um eine Vorstellung von der Arbeit der Küchenchefs und Kellermeister zu geben:

Es wurden an den beiden Tagen 25 kg Gebratenes und 9 kg Leberkäse, ein riesiger Kessel Sauerkraut und 100 Knödel verzehrt (alles von Georg gemanagt), 100 Paar Würstel und ein gewaltiger Kessel Putengeschnetzeltes mit einer passenden Menge Reis a la Martin gegessen, ungezählte Bouteillen Wein, 100 l Bier sowie Unmengen von Mineralwasser und Obstsaft getrunken. Dazu kamen noch einige Käseplatten und Obst (extra von Lutz und Georg beim Metro besorgt). Besonders zu erwähnen sind natürlich die wunderbaren Torten, Rouladen, Kuchen, Schnitten, Kipferln und Kekse, die unsere Frauen her- und bereitgestellt haben und die zusammen mit dem „Pfarrkaffee“ köstlich mundeten. Besonderes Lob gilt auch jener „Mannschaft“ (es handelte sich natürlich um einige charmante Sängersgattinnen), die den architektonisch so stimmungsvollen Pfarrsaal mit viel Aufwand, guten Ideen und Liebe dekoriert hat. Auch der Pfarre Stammerdorf gilt unser Dank, die uns den Saal uneigennützig zur Verfügung gestellt hat.

Auch das Programm der beiden „ungarischen Tage“, die mit den „Stürmischen Tagen“ zusammenfielen, lässt sich sehen.

Am Vormittag des 11. Oktobers erwarteten der Obmann und sein Stellvertreter (oder war es umgekehrt?) die Gäste bei der Stadionbrücke. Lutz eilte dann zurück nach Stammersdorf, um die Arbeiten im Pfarrhof zu überwachen, während der Obmann den Bus in die Innenstadt begleitete und dort eine Stadtführung abhielt. Sie fand ihren Abschluss in einer Führung durch den Stephansdom und endete mit einem Rundblick vom Turm, wobei sich die Nebel lichteten und Wien in seiner ganzen Pracht bei strahlendem Sonnenschein zu unseren Füßen lag. Wir fassten dies als gutes Vorzeichen auf, und der weitere Verlauf rechtfertigte dies.

Am frühen Nachmittag stiegen die Gäste im Hotel „Föhrenhain“ ab, um 16 Uhr trafen die Sängerinnen und Sänger beim Parkplatz Senderstraße ein, wo sie offiziell begrüßt wurden. Dann ging es Schlag auf Schlag: Nach kurzem „Einsingen“ sangen wir abwechselnd bei einigen Heurigen der Kellergasse, wobei vor allem die „Ungarn“ besonders bejubelt wurden. Höhepunkt in der Kellergasse war die offizielle Eröffnung der „Stürmischen Tage“ durch Frau Bundesministerin Gehrer und den Wiener Bürgermeister Häupl; auch hier trugen der MGV sowie unsere Gäste ganz wesentlich zum Gelingen bei.

Am Abend folgte dann der Einzug in den festlich geschmückten Pfarrsaal, wo beide Chöre einige Kostproben aus ihrem Programm zum Besten gaben; als Gastgeschenk konnte der MGV diesmal etwas Besonderes bieten: keinen Zinnteller, sondern ein Gemälde unseres Sgbr. Josef Berger, den Pfarrhof und die Kirche darstellend. Wir erhielten übrigens eine wunderschöne Garnitur Trinkgläser mit Dekantierkrug. Dann folgte (endlich!) das umfangreiche Abendessen, das von einigen unserer Gäste sehnlichst herbeigewünscht wurde; hatten sie doch den ganzen Tag nichts Ordentliches zwischen die Zähne bekommen. Viel zu schnell ging die Zeit vorüber; schon vor Mitternacht mussten die „Ungarn“ ins Bett – es waren ja auch einige Jugendliche, Schüler der Chormeisterin und Lehrerin Erzsébeth, mit von der Partie, und am nächsten Tag musste man früh (und nüchtern) wieder auf den Beinen sein!

Der Sonntag begann mit wunderbaren Eindrücken in der Stammersdorfer Pfarrkirche; gestaltete doch unser Gastchor den Gottesdienst mit, der von unserem (aus Ungarn stammenden) Kaplan Georg abgehalten wurde. Spätestens hier wurde allen klar, welch hervorragende Qualität der Chor aus Balatonfüred aufweist! Nicht umsonst hat er Auftritte in Kroatien, Italien, Frankreich, Deutschland, Österreich und Finnland hinter sich. Und jetzt eben in unserem geliebten Stammersdorf.

Vor der Kirche – wieder bei angenehmen Temperaturen und Sonnenschein – sangen wir dann abwechselnd, bis die Verlockung, im Pfarrsaal etwas Nahrhaftes vorzufinden, überhand nahm. Inzwischen wurde es langsam Mittag, und in gelöster Atmosphäre aßen, tranken und plauderten alle Beteiligten und viele Gäste, bis die Stunde des Abschieds kam.

Wir sind sicher, dass durch die Mühe und durch das Engagement unserer Sangesbrüder und ihrer Angehörigen die Freundschaft zwischen MGV und Festivalchor Balatonfüred bestärkt und weiter vertieft wurde! „Ich hab´noch nie so viele fremde Leut abgebusselt“, meinte nachher eine unserer Sängersgattinnen. Wir planen jedenfalls ein Wiedersehen ……

Erlefried Schröckenfuchs