Sängerreise Balatonfüred/Ungarn

Bei strahlendem Wetter – das uns bis zum Ende unserer Fahrt treu blieb – fuhr der MGV, verstärkt durch treu sorgende Gattinnen und eine beträchtliche Kinderschar, am 31. Mai 2002 von Stammersdorf los. An der Grenze gab es kaum Aufenthalt, und die kurzweilige Fahrt wurde zusätzlich genutzt für das Einstudieren eines original ungarischen Liedes, das Sgbr. Gottfried Pfandler unter Zuhilfenahme seiner Anni trefflich in Lautschrift übertragen hatte, und der uns sogar den Sinn der gesungenen Worte zu deuten vermochte. Die Kinder waren begeistert, und späterhin auch unsere ungarischen Gastgeber. Sie erkannten die Melodie und wahrscheinlich auch den Text, sodass sie mitsingen konnten! Mit geringer Verspätung (Schuld war ein langsamer LKW vor unserem Bus, der über eine Stunde lang nicht überholt werden konnte) kamen wir in Balatonfüred an und stiegen im frisch renovierten ***-Hotel UNI ab. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung durch die Leiterin des (gemischten) Festivalchores Balatonfüred, Frau Erzsebet Pilezky, und nach einer kurzen Erfrischung fand im Festsaal des Hotels ein gemeinsames Chorkonzert mit unseren Gastgebern statt, das ein großartiger Erfolg wurde. Ausschnitte davon wurden im lokalen Fernsehen übertragen, und wir selbst spürten, dass uns nicht nur das gemeinsame Singen, sondern große menschliche Wärme und Herzlichkeit mit dem (im wahrsten Sinn des Wortes) ausgezeichneten Chor von Balatonfüred verbindet. Höhepunkt und Abschluss bildete ein gemeinsam gesungenes Werk unter der Leitung unseres Chormeisters Prof. Günter Knotzinger: der Gefangenenchor von Verdi, und zwar zweisprachig (wie sangen deutsch, unsere ungarischen Freunde italienisch, natürlich gleichzeitig) – großartig, und zwar ohne Probe! Anschließend wartete eine festlich gedeckte Tafel auf uns: Die Auswahl zwischen den beiden Abendmenüs fiel uns schwer! Einige Sangesbrüder (und gegebenenfalls deren weibliche Begleitung) hatten damit aber noch immer nicht genug, sie erforschten auf eigene Faust das Nachtleben von Balatonfüred, und das in einer wunderbaren lauen Sommernacht . . . Am nächsten Morgen, nach einem üppigen Frühstücksbuffet, folgten wir der Einladung unserer Gastgeber zu einer Schiffsrundfahrt auf dem Balaton-See. Die wunderbare Landschaft des Nordufers, vor allem aber der Blick auf die Wallfahrtskirche von Tihany, in der wir am Nachmittag sin-gen sollten, waren überwältigend. Gottlob unterhielten uns einige Sangesbrüder mit ihren Späßen, sodass keine allzu feierliche Stimmung aufkommen konnte. Die Mittagsstunden wurden nach Lust und Laune zu Spaziergängen, Besichtigungen und Einkäufen in Tihany genutzt, vor allem aber zum Besuch der Restaurants und der Konditorei Rege mit ihrer herrlichen Aussichtsterrasse. Un-ser Vizechormeister und seine treue Anita ließen es sich nicht nehmen, eine Rundwanderung im Naturschutzgebiet auf dem Hochplateau über dem See zu absolvieren, und das bei großer Mittagshitze! (Die gesundheitsbewussteren unter uns saßen währenddessen bei üppigem Mittagessen und einem kühlenden Bier in einem der vielen Gastgärten.) Dann wurde es wieder ernst: Nach dem Einsingen im Hof der Benediktinerabtei Tihany durften wir – und das ist ein besonderes Privileg – ein geistliches Chorkonzert in der Abteikirche darbringen, an dem nicht nur viele Ortsansässige, sondern auch zahlreiche Touristen als Zuhörer teilnahmen. Die wunderbare Akustik und der herrliche barocke Innenraum brachte uns selbst in eine seltene Hochstimmung! Das Konzert war wieder ein großer Erfolg. Aber der Tag war noch lange nicht zu Ende. Am Abend folgten wir der Einladung des Chores von Balatonfüred in einen gewaltigen Weinkeller zu Kesselgulasch und Balaton-Wein. Da wir sehr bald unsere (nicht vorhandene) Sitzordnung auflösten, und da sich die köstliche Bewirtung und die herzliche Begrüßung durch unsere ungarischen Gastgeber sehr schnell auf die allgemeine Stimmung übertrug, konnten wir sehr bald sehr enge, freundschaftliche Kontakte knüpfen. Abwechselnd gaben wir Lieder zum Besten, und einige Sangesbrüder haben es sehr bedauert (vor allem der „Damals-noch- nicht-Obmann“), dass es nicht immer so weitergehen konnte.

Zu sehr fortgeschrittener Stunde konnten einige von uns sich noch immer nicht trennen von unseren Freunden (beiderlei Geschlechts), und dem Vernehmen nach kam es zu Verbrüderung und Abschiedsschmerz in diversen Lokalen, bis auch diese geschlossen wurden . . . Gott sei Dank war das Frühstück am nächsten Morgen sehr spät angesetzt, einige von uns waren auch froh, wieder frische Luft atmen zu können. Um 13 Uhr erfolgte dann der wehmütige Abschied von unseren ungarischen Freunden. Aber ein Höhepunkt sollte noch folgen: Die Besichtigung der Erzabtei Pannonhalma. Während der sehr interessanten und auch humorvollen Führung durch dieses Zentrum der neu aufstrebenden Religiosität Ungarns hatten wir Gelegenheit, in der romanischen Basilika mit ihrer gewaltigen Akustik zu singen. Augenblicke, die wir nie mehr vergessen werden! Nach problemloser, entspannter Rückfahrt ohne besonders langen Grenzaufenthalt langten wir am frühen Abend des 2. Juni in Stammersdorf ein und hatten das Gefühl, einige wunderbare Tage erlebt und genossen zu haben. Was noch bleibt, ist Dank zu sagen. Ein herzliches Dankeschön unseren ungarischen Freunden, besonders aber der Familie Farkas, die das Konzert in Tihany ermöglicht hat, und ganz besonders ihrer Tochter Eva, die unermüdlich als Dol-metsch und Betreuerin zur Verfügung stand! Ein Dankeschön auch unserem Lutz Dangl für die mustergültige Organisation!

Georg Holler