Chronik

Ein kurzer Überblick über die Vereinsgeschichte

Der Stammersdorfer Männergesangverein wurde im Jänner 1890 vom Lehrer Karl Brunner in der niederösterreichischen Gemeinde Stammersdorf gegründet. Schon am 19. Februar 1890 erfolgt der erste Auftritt, ein Ständchen für Dr. Albert Skala. Rasch wächst der Verein und mit Ende 1890 werden die Statuten bei der k.k. niederösterreichischen Statthalterei eingereicht, die am 18. November 1890 genehmigt werden.

Direktor und Regenschori Carl Brunner
Direktor und Regenschori Carl Brunner

Am 24. Jänner 1891 findet das erste Konzert statt, zu diesem Anlass spendet der Bürgermeister von Stammersdorf ein Trinkhorn, das noch immer in Ehren gehalten wird. Am 1.9.1895 wird von den Ehrenbürgern von Stammersdorf, Theresia und Johann Weber die Vereinsfahne gestiftet, die zu hohen Anlässen noch heute in Verwendung ist.

30 Sängern gehören 1914 dem aufstrebenden Chor an, als der erste Weltkrieg ausbricht und die Vereinstätigkeit eingestellt werden muss. Erschütternde Dokumente und Erzählungen berichten davon, wie Sänger an der Front mit Lebensmittelpakten und Geldspenden unterstützt werden.

Die Liebe zur Musik führt, trotz Hungersnot und Elend, die Sänger wieder zusammen und es beginnt die zweite Blütezeit des Stammersdorfer MGV. Zahlreiche Auftritte in den 1920iger Jahren dokumentieren das rege Vereinsleben. Gemeinsam mit den befreundeten Chören MGV Groß-Jedlersdorf, MGV Strebersdorf, MGV Jedlersee, MGV Leopoldau und MGV Langenzersdorf werden Konzerte veranstaltet und Reisen unternommen.

Fahnenweihe 1895
Fahnenweihe 1895

1924 zählt der Stammersdorfer MGV 32 ausübende und 124 unterstützende Mitglieder, außerdem wird er um eine Musiksektion erweitert, der 13 Musiker angehören. Einer der Höhepunkte dieser Zeit ist die Teilnahme am Sängerbundfest des Jahres 1928, bei dem rund 200.000 Sänger anwesend sind. Nach Jahren des Aufschwungs und des Wachstums kommt es am Beginn der 1930iger Jahre zu einer ernsten Krise. Die ersten politischen Differenzen bringen den MGV fast an die Grenze der Auflösung, erst 1937 berichtet die Chronik wieder über ein harmonisches Vereinsleben und die nächste große Reise zum Sängerfest nach Breslau. Im Juli 1938 findet die letzte Vollversammlung statt, danach enden die Aufzeichnungen und die Vereinstätigkeiten werden mit Jänner 1939 eingestellt.

Mit September 1949 wird die Bildung des „Stammersdorfer Männergesangverein gegründet 1890“ von der Sicherheitsdirektion genehmigt, da der MGV die nationalsozialistische Satzung des Deutschen Sängerbundes nicht übernommen hat. Mit einem Brief, werden die Stammersdorfer Männer ohne Unterschied des Alters, des Standes oder der politischen Gesinnung eingeladen den MGV zu unterstützen. Der Brief findet großen Anklang und bereits 1950 nehmen wieder 24 Sänger regelmäßig an den Proben und Auftritten teil. Bereits 1952 wird wieder eine Sängerreise mit Gattinnen nach Purgstall unternommen, zahlreiche Auftritte zeugen von einem aktiven Vereinsleben.

1956 stirb Gründer und Ehrenmitglied Direktor Carl Brunner, seit diesem Jahr finden sich alljährlich die Sänger des Stammersdorfer MGV nach der Stiftungsmesse auf dem Stammersdorfer Ortsfriedhof ein, um an den Gräbern von Carl Brunner und Dr. Franz Dattler den verstorbenen Sängesbrüdern zu gedenken.

In den 1960iger Jahren werden regelmäßig Konzerte abgehalten, die nun unter ein einprägsames Motto gestellt werden. Zahlreiche Sängerreisen machen den Stammersdorfer Männergesangverein über die Bezirksgrenzen bekannt. Breits 1968 kommt es zur nächsten schweren Krise und der Verein steht kurz vor der Auflösung. Obmann Karl Stanzell und die letzten verbliebenen Sänger beschließen den Chor nicht fallen zu lassen und es gelingt mit viel Schwung und Einsatz das Vereinsleben wieder zu aktivieren. Trotz dieser Bemühungen ist der Stammersdorfer MGV allein nicht mehr singfähig und geht mit dem Landstrasser MGV und dem Brigittenauer MGV eine intensive Zusammenarbeit ein.

Mit dem Engagement des Chorleiters Herbert Lazarus wendet sich das Vereinsleben zum Positiven, es wird diszipliniert geprobt und das äußere Erscheinungsbild wird durch die Anschaffung von Sängeruniformen unterstrichen. Mit einem Chorkonzert im Jahre 1975 ist die Krise endgültig überwunden, seit diesem Jahr finden Stiftungsmesse und Chorkonzert regelmäßig statt und der MGV nimmt an Veranstaltungen im In- und Ausland teil.

Durch die Einladung von bekannten Künstlern erhalten die Konzerte des MGV zusätzliches Publikum, das dem Verein seit Jahrzehnten die Treue hält. Rundfunkübertragungen aus Stammersdorf, Auftritte im Fernsehen, zahlreiche Sängerreisen, jährliche Veranstaltungen, wie der Sängerball, die Stiftungsmesse und die Konzerte im Dezember, erfordern intensive Probenarbeit. Nicht ohne Stolz soll erwähnt werden, dass der MGV mittlerweile 6 Messen und zahlreiche Lieder zur Uraufführung gebracht hat, die für den Stammersdorfer MGV komponiert wurden.

Die Verbundenheit des Stammersdorfer MGV mit den Einwohnern zeigt sich immer wieder durch die Mithilfe an diversen Projekten im Ort. So veranstaltet der MGV in den 1980iger Jahren jährlich einen Frühschoppen, dessen Einnahmen für die Kirchenrenovierung gespendet werden. Überhaupt gibt es zahlreiche caritative Aktionen an denen sich der Chor beteiligt hat und noch immer beteiligt.

Seit Anfang der 1990ger Jahre wird zur Steigerung der Qualität jährlich ein Probenseminar abgehalten, in dem die Lieder der bevorstehenden Auftritte intensiv geprobt werden. Nahezu jedes Jahr gibt eine Sängerreise den Sangesbrüdern und deren Begleitung die Möglichkeit, Länder und Regionen, sowie deren Musik kennen zu lernen. Zahlreiche Chorfreundschaften sind auf diesem Weg entstanden.

In der Folge machen Chorleiter wie Joseph Maschkan, Erke Duit, Günter Kress, Günter Knotzinger, Michael Schnack, Yasunori Okumura und zur Zeit Gerhard Eidher den Chor zu einem Kulturträger, der auch über die Stadtgrenzen hinweg bekannt und beliebt ist. Einen besonderen Platz nimmt der Chorleiter – Stellvertreter Dr. Herfried Pock ein, der seit fast 40 Jahren den MGV begleitet und durch seine Arrangements und seine Präsenz einen großen Beitrag zur Erfolgsgeschichte des Chors leistet.

Der Stammersdorfer MGV ist mittlerweile der letzte Männergesangverein im nördlichen Wien.

Der Stammersdorfer MGV
Der Stammersdorfer MGV